Ich verzichte, also bin ich?

Als relativ konsequente Vegetarierin und Nicht-Trinkerin (in Bezug auf Alkohol, versteht sich) stelle ich mir schon seit einiger Zeit die Frage, ob dieser „Verzicht“, den ich praktiziere, wirklich richtig ist. Besonders, da in den letzten Wochen auch noch Milch(produkte) und Zucker mit auf diese Liste gekommen sind und ich damit immer mehr zum Sonderling unter „normalen“ Leuten werde.

Besonders im Bezug auf Alkohol wurde mir schon sehr oft (vor allem von Gleichaltrigen) vorgeworfen, ich würde doch lediglich nichts trinken, um mich ihnen gegenüber überlegen zu fühlen. Auch, dass ich mal ein Auge zudrücken und „mein Leben/meine Jugend genießen“ sollte, habe ich schon häufig gehört. Genau dieser „Genussaspekt“ wird immer wieder aufgerollt, wenn man als „Verzichtende“ aus der Reihe fällt, egal, ob es um Alkohol, Fleisch, Zucker, Zigaretten oder sonst was geht.

Tatsächlich muss ich an dieser Stelle einräumen, dass ich mit einem Teil dieser „Genussmittel“ keine bis kaum Erfahrung gemacht habe und daher gar nicht subjektiv bewerten kann, ob ich sie genießen kann oder nicht. Ich war noch nie in meinem Leben betrunken, mein bisheriger Alkoholkonsum beschränkt sich auf einen Schluck Abendmahlswein (pfui Teufel!), ein Viertel Glas Federweißen (genauso ekelig, nur um einiges süßer) und etwas Sangria (eigentlich ganz lecker aber einen Fruchtsaft finde ich immer noch besser). Noch nie konsumiert habe ich die ganzen „härteren“ Drogen wie Zigaretten, Shisha, Cannabis, Crystal und Co. Zucker, Fleisch und Milch kenne ich da natürlich schon wesentlich besser.

Aber muss ich wirklich etwas ausprobiert haben, um danach erst entscheiden zu können, ob ich das weiter konsumieren will oder nicht? Es gibt zahlreiche Ergebnisse aus Studien und Versuchen, die mir zeigen, dass mein Lebensstil im Vergleich eher gesünder ist als der des Durchschnittsdeutschen. Und besagter Durchschnittsdeutscher macht es ja bei der Entscheidung, was genießbar ist und was nicht, auch nicht anders und geht dabei sehr nach persönlichen Vorlieben. Schließlich würden die wenigsten hier Hundefleisch, Insekten oder pure Algen essen. Einfach aus einer persönlichen Entscheidung heraus (die mit simplem Ekel vielleicht aber auch Wissen begründet sein kann), die ich genauso für mich getroffen habe. Jeder setzt eben seine eigenen Maßstäbe, was er konsumieren will und was nicht und fühlt sich damit meistens auch am wohlsten. Ich fühle mich sehr wohl damit, keinen Alkohol zu trinken (oder höchstens mal zu probieren, s. o.) und weniger Zucker zu mir zu nehmen weil es mir eben wichtig ist, meinen Körper so wenig wie möglich zu vergiften und mich gesund zu fühlen. Genauso glaube ich aber auch jedem, der sagt, dass er sich mit dem Feiern am Wochenende und den damit verbundenen Cocktails am wohlsten fühlt. Bei dem hat dann eben die Stimmung und die Wirkung des Alkohols Priorität und das ist in Ordnung so. Selbst wenn jemand schon so viel von etwas konsumieren würde, dass er sich damit vergiftet, würde ich das akzeptieren, solange sich dieser jemand damit wohl fühlt und es seine Entscheidung ist, so viel zu konsumieren (während bei einer Entscheidung aus der Sucht heraus natürlich geholfen werden muss).

Was ich damit sagen will: jeder hat seine eigenen Grenzen, was Genuss und Verzicht angeht. Und um auf den Titel einzugehen: ich verzichte nicht, ich genieße nur. Alkohol, Fleisch, Milch und Zucker kann ich eben aus unterschiedlichen Gründen nicht genießen, deshalb tu ich mir diese „Genussmittel“ nicht an, warum sollte ich?

Wenn mehr Menschen das so sehen würden, gäbe es glaube ich wesentlich weniger unnötige Diskussionen und Konfrontationen.

Deshalb: Denkt mal drüber nach!

Eure Hanna

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