Daumennuckeln bei Erwachsenen und Jugendlichen – Mein Weg der Entwöhnung

Mir ist letztens etwas aufgefallen. Irgendwie recherchiert man ja mittlerweile über alles und jeden im Internet. Ob Heizung entlüften, Waffelrezepte suchen, Fahrradbremsen reparieren oder die Schauspieler des neuen Fantastic Beasts Films herauszufinden: zu eigentlich jedem Thema findet man mindestens einen Text im Internet. Allerdings kann ich bestätigen, dass das für ein Thema nicht gilt. Das Daumennuckeln bei Erwachsenen. Ja, ich bin nämlich so eine (gewesen), die von Geburt an dauernd mit Daumen im Mund zu sehen war. Und irgendwann wollte ich das nicht mehr und habe nach ähnlichen Erfahrungen und bestenfalls sogar Entwöhnungsanleitungen gesucht, jedoch nichts hilfreiches gefunden. Nachdem ich mir das Nuckeln jetzt abgewöhnt habe, möchte ich das Internet mit meiner Erfahrung bereichern. Am besten beschreibe ich die ganze Geschichte von Anfang an.

Als Säugling ist es ja bekanntlich normal, am eigenen Daumen, einem Schnuller oder einer Saugflasche zu nuckeln um sich zu beruhigen. Damals entschieden meine Eltern für mich, dass ich keinen Schnuller bekommen sollte weshalb ich natürlich beim Daumen blieb. Das war auch ganz prima bis meine Mutter irgendwann der Meinung war, ich sei doch allmählich zu alt dafür. Da müsste ich gerade ungefähr sechs Jahre alt gewesen sein und wir waren in den Ferien verreist. In dem Moment sah ich mich einfach nur gestört vom Wunsch meiner Mutter. Das üblicherweise abendliche Lutschen am Daumen war für mich ein reines Wohlgefühl und half mir beim Entspannen. Warum sollte ich da aufhören? Natürlich kannte ich bald alle Argumente gegen das Nuckeln aber wie ernst nimmt man wohl Ankündigungen wie „deine Zähne werden ganz schief“, „du wirst lispeln“ oder „irgendwann entzündet sich noch dein Daumen“, wenn man sowieso nur Zahnlücken im Mund hat, von Fremden für die deutliche Aussprache gelobt wird und der Daumen doch vollkommen in Ordnung ist? Richtig, jedes Kind und wahrscheinlich auch jeder Erwachsene würde bei dieser Sachlage beim Nuckeln bleiben. Vor allem, wenn man dabei noch ein Gefühl empfindet, was sich wie Schokolade und Kuscheln gleichzeitig anfühlt. So nuckelte ich also weiter. Mit der Pubertät nahm die Dauer schrittweise zu. Vermutlich weil ich mich so einfach in eine Sicherheit flüchten konnte, die ich ansonsten gerade zu verlieren schien. Das Nuckeln war Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es würde immer da sein um mich zu beruhigen. Nachdem ich mein Abi gemacht hatte und ausgezogen war, nuckelte ich teilweise einen halben Tag am Stück weil ich mich so am schnellsten wohl fühlte. Natürlich konnte ich das irgendwann selbst vor mir selbst nicht mehr verheimlichen. Rückblickend auf die letzten 1,5 Jahre stelle ich fest, dass ich durch das Nuckeln wirklich viele Chancen verpasst habe weil ich einfach nichts geändert habe. Durch das wohlige Gefühl beim Nuckeln bemühte ich mich gewissermaßen gar nicht mehr richtig, auf andere Arten positive Gefühle zu erzeugen. Wenn ich es doch mal aus meiner Nuckelwelt nach draußen schaffte zeigten sich die Zeichen der Sucht und ich musste mich teilweise sogar vor Freunden verstecken um nuckeln zu können. Denn so tabuisiert wie das Daumennuckeln ist hatte ich ihnen natürlich nicht davon erzählt und bemühte mich nach Kräften, dass sie es nicht selbst herausfanden. Für mich waren solche Momente sogar noch schlimmer als z.B. die gelegentlichen „Toilettengänge“ um in den stinkenden Kabinen mal schnell den Daumen zwischen die Lippen nehmen zu können.

So unauffällig ich anfangs bezüglich der Nuckel-Symptome war, so deutlicher fielen sie mir jetzt nach und nach auf. Da waren die weniger störenden wie die Schwielen, die sich an beiden Seiten des Daumens als Polster gebildet hatten, der sich abschilfernde Daumennagel auf der rechten Seite oder die etwas schiefe Gesichtsmuskulatur, mit denen ich gut und gerne hätte weiterleben können. Probleme wie unterschiedlich lange Schneidezähne, die ein normales Abbeißen unmöglich machten oder ein allmorgendlich schmerzender Kiefer öffneten mir dann aber tatsächlich die Augen. Das Daumennuckeln war für mich zur Sucht geworden und egal wie harmlos sie im Vergleich zu Drogen und Rauschmitteln wirken mag, machte sie doch einen zu großen Teil meines Lebens aus, als dass ich einfach so mit ihr hätte weiterleben können.

Vor etwas mehr als fünf Wochen habe ich mich deshalb entschieden, mir alle Mühe der Welt zu geben um endlich vom Nuckeln wegzukommen. Ziemlich spontan fing ich damit an, indem ich meinen rechten Daumen bandagierte. Weil ich auf jegliche Kommentare meiner Bekannten (von denen natürlich viele nicht einmal vom Nuckeln wussten) verzichten wollte, hatte ich mir offiziell eine Bänderdehnung am Daumen zugezogen. Und auch wenn es auf den ersten Blick idiotisch erscheint, so etwas vor dem engsten Umkreis zu vertuschen, bin ich sehr froh, es so gemacht zu haben. Es nimmt einfach unnötigen Druck aus der sowieso schon stressigen Entwöhnung. Ich trug ungefähr eine Woche die Bandage, dann war ich mir sicher genug, dass ich nicht doch aus Gewohnheit besonders Nachts wieder aus Versehen nuckeln würde. Seitdem hat sich auch ehrlich gesagt nicht mehr viel verändert. Klar, je länger ich nicht mehr nuckelte desto weniger kam es mir auch in den Sinn aber der Verlockung zu widerstehen fiel mir auch schon nach einer Woche überraschend leicht. Mittlerweile bin ich also seit über fünf Wochen „nuckelfrei“ und erfahre allmählich tatsächlich, was das bedeutet. Wenn ich ein Buch lese, lese ich ein Buch. Wenn ich einen Film gucke, gucke ich einen Film. Wenn ich etwas schreibe, schreibe ich etwas und mache nicht alle zehn Minuten eine Nuckelpause. Das wäre früher so nicht gegangen

Aber vor allem muss ich nichts mehr verheimlichen und das ist wunderbar. Wer will schon seine liebste „Freizeitbeschäftigung“ vor den besten Freunden verbergen müssen.

Liebe hilfesuchende Nuckler: vielleicht könnt ihr ja etwas mit meinen Erfahrungen anfangen. Fühlt euch bestärkt und unterstützt auf eurem weiteren Weg. Lasst euch nicht fertig machen und macht euch vor allem nicht selber fertig deshalb.

Liebe Eltern von nuckelnden Kindern: bitte bietet euren Kindern doch Alternativen zum Nuckeln! Damit meine ich nicht nur den allbekannten Schnuller oder das Fläschen sondern das Gesamtpaket Geborgenheit und Wohlgefühl. Denn das versuchte ich, durch´s Daumennuckeln zu ersetzen.

Und zu allerletzt lieber „Rest“: ich hoffe, dass ihr ein Bild davon bekommen konntet, wie es ist, wenn man volljährig ist und noch nuckelt. Es ist wirklich nichts schlimmes oder abstoßendes, eigentlich sollte es meiner Meinung nach sogar noch besser als Zigaretten und Alkohol angesehen werden denn damit schadet man wenn überhaupt nur sich selbst und das auch nur in relativ harmloser Weise körperlich. Es gibt keinen Grund, Daumennuckler deswegen zu kritisieren. Die meisten stellen sich ja schon selber in die Tabuecke und schämen sich. Lasst sie doch bitte auch selber entscheiden, ob sie dort bleiben wollen oder nicht.

Ich wollte es nicht mehr.

Advertisements

Von Zuhause ausziehen, oder: aus Fehlern lernt man

Ortswechsel: mittlerweile wohne ich in Hannover. Nach einem Jahr in Kiel und danach wieder ein paar Monaten in meinem Elternhaus (verbunden mit täglichem pendeln) habe ich ENDLICH ein eigenes Zimmer in einer schnuckeligen WG gefunden. Und allmählich habe ich auch das Gefühl, hier zuhause zu sein.

Wenn ich allerdings ein Jahr zurückdenke kann ich meine momentane Situation keinesfalls mit der damaligen vergleichen und das, obwohl sie sich doch eigentlich so ähnlich sind. Vor einem Jahr wohnte ich gerade ein paar Monate in Kiel. Das erste Mal war ich ausgezogen, einige Stunden Zugfahrt von Zuhause entfernt wohnte ich nun in einer bunt gemischten 6-Personen-WG und wartete auf die Freiheit. Tatsächlich war es aber einfach so: ich wohnte einige Stunden von meinem Zuhause entfernt. Niemals habe ich mich wirklich gut aufgehoben gefühlt in Kiel, nie hatte ich das Gefühl, dort etwas zu haben, was mich dort hält (abgesehen von meinem unterschriebenen FÖJ-Vertrag). Mir fehlten soziale Kontakte, was mir gleichzeitig noch weniger Lust machte, in die Welt hinauszugehen und welche zu suchen. Ja, ich habe mich wirklich vergraben. Ich wollte nicht auf meine Mitbewohner treffen, war bei der Arbeit am liebsten alleine und fühlte mich gleichzeitig doch so unwohl. Am liebsten hätte ich mich an eine Schulter gelehnt und unter weinen einfach alles erzählt, aber genau so eine Schulter hat mir gefehlt.

Nach außen hin sah mein Leben nicht anders aus: mein Zimmer war chaotisch, ich stapelte wochenlang dreckiges Geschirr – wenn der Tisch voll war kam es eben auf den Boden. Innerhalb von mehreren Monaten schaffte ich es teilweise kein einziges Mal, pünktlich aufzustehen und zum duschen konnte mich immer häufiger nicht aufraffen.

Alles in allem: es war eine Katastrophe! Jedes Wochenende, dass ich wieder zu meinen Eltern fuhr war für mich ein gutes Wochenende, denn dann war alles wieder so, wie ich es gewohnt war, so, wie es sein sollte. Als ich mir dann um meine Zukunft Gedanken machen musste stand vor allem eins für mich fest: in Kiel bleibe ich nicht!

Anfang diesen Jahres zog ich also nach Hannover, wo ich seit Oktober studiere und wie oben schon geschrieben, ergeht es mir hier wirklich anders. Ich studiere gerne und halte die Wohnung sauberer, als ich es je von mir erwartet hätte.

Aber warum? Nun ja, auch das habe ich ganz simpel zusammengefasst schon oben geschrieben. Aus Fehlern lernt man nämlich. Mir war es z. B. bei der Zimmersuche wichtig, wirklich an einem Ort zu landen, dem ich es auch zutraue, mein Zuhause zu werden. Ich habe mir mein Zimmer von Anfang an gemütlich gestaltet und bin nicht mit der Einstellung „das wird schon noch gemütlich, ich warte einfach ein bisschen, bis sich der Kram dafür ansammelt“ eingezogen. Denn jetzt weiß ich, dass ich in einer ungemütlichen Wohnung zu fast nichts mehr in der Lage bin weil ich mich so fremd fühle. Gleichzeitig habe ich von Anfang an darauf geachtet, dass ich in meinem Umfeld nur Sachen habe, die mir gefallen oder die ich praktisch finde und konnte so auch gleich noch ein bisschen entrümpeln.

Mit einigen Dämonen habe ich allerdings noch zu kämpfen. Vor allem neue Freundschaften zu schließen fällt mich nach wie vor schwer und ich neige immer noch dazu, mich sozialen Kontakten gegenüber zu verbarrikadieren.

Und trotzdem bzw. genau deshalb bin ich jetzt in diesem Moment in der Lage, zu sagen, dass das letzte Jahr wichtig war. Nicht, weil ich sofort alles richtig gemacht und den Himmel auf Erden gefunden habe sondern, weil ich Erfahrungen gemacht habe, die es mir in genau solchen Tief-Situationen (die ja nach wie vor vorkommen) ermöglichen, dass ich etwas ändern kann. Allmählich kenne ich die Stadt, in der meine Seele wohnt und weiß, wo ich ein Schlagloch zu erwarten habe, wo die Stoppschilder stehen, wo ich Vorfahrt habe und natürlich auch, wo die Staus sind, die so viel Kraft kosten. Vor allem aber weiß ich, wo ich entlangfahren muss, um an die Orte zu kommen, die mir gut tun.

Reise-Doku: Von Husum nach Klanxbüll – 60km in unter drei Tagen

Jaaa, ich bin spät dran, ich weiß es. Aber ich habe den Blog nicht vergessen! Deshalb kommt jetzt eine Dokumentation meiner Mitte Juni stattgefundenen Wochenendwanderung durch´s schöne Nordfriesland.

Auf diesem Blog hatte ich ja noch schnell einen Artikel verfasst, bevor ich aufgebrochen bin. Ich hatte mich tatsächlich relativ spontan zu dieser Wanderung entschlossen weil ich erfahren hatte, dass einige Bekannte den gesamten Weg nach Sylt mit dem Fahrrad zurücklegen wollten und feststellte, dass ich ein bisschen neidisch auf sie war. Zwar hätte ich die Möglichkeit gehabt, sie mit dem Fahrrad zu begleiten, allerdings befindet sich mein Velo gerade in einem nicht besonders tourtauglichen Zustand und außerdem war ich mir nicht sicher, wie/ob ich die Strecke vom Festland nach Sylt und anschließend nach Föhr (wo ich nach dem Seminar Urlaub gemacht habe) mit dem Fahrrad bewältigen kann. Als einzige Möglichkeit, die Strecke aus eigener Kraft zurückzulegen, blieb mir deshalb nur das Wandern. Um die gesamte Strecke von Kiel bis nach Sylt zu Fuß zurücklegen zu können, war es zum Zeitpunkt der Entscheidung allerdings schon zu spät, weshalb ich mich auf einen Abschnitt beschränken musste. Die Wahl fiel mir nicht schwer da es für mich sehr viel verlockender klang, entlang der Nordsee zu wandern, als quer durch Schleswig-Holstein. Einigen mag das vielleicht zu eintönig sein, für mich war es genau das richtige!

Ich packte am Freitag Nachmittag also meinen Rucksack mit allem, was ich in den nächsten dreieinhalb Wochen brauchen würde und fuhr gegen Abend mit dem Zug gen Husum. Mein Plan war, die Nächte in meinem Zelt zu verbringen (psssssst: nicht zwangsweise auf Campingplätzen), weshalb ich noch am selben Abend ca. 5km von Husum bis Schobüll wanderte. Ich nahm einen Weg entlang der Straße und wie es der Zufall wollte hielten zwei Männer mit ihrem Auto an um mir zu erklären, wo ich mein Zelt aufbauen könnte. Sie boten mir auch an, mich mitzunehmen, da ich aber wandern WOLLTE und ja auch noch nicht so lange unterwegs war, lehnte ich das ab. Deren Beschreibung nach („… beim großen schwarzen Zelt…“) erwartete ich schon, irgendwann auf Pfadfinder zu treffen, was dann auch der Fall war. Kurz nach dem Ortseingang von Schobüll war die Jurte auf dem Gelände des Pfadfinderheimes gut zu erkennen. Einige Pfadis waren auch noch da, die fragte ich, ob ich dort mein Zelt aufbauen dürfte. Letztendlich erlaubten sie mir sogar, die Nacht in der Jurte zu verbringen da diese nicht gebraucht würde. Für diese Nacht konnte ich mir also das Aufbauen meines Zeltes sparen und in diesem Monsterzelt schlafen:

20170616_205123

Nach einer (aufgrund innerer Unruhe) leider wenig erholsamen Nacht ging es am nächsten Morgen weiter Richtung Norden. Am vorigen Tag hatte ich die offene Nordsee noch nicht erblickt, allerdings war ich ihr näher, als ich dachte. Ungefähr 200m entfernt von meinem Nachtlager befand sich die Husumer Bucht mit ihren tollen Schilflandschaften. Dass so etwas an der Nordsee existiert, wusste ich noch gar nicht, ich dachte immer, es würde nur Watt und Salzwiesen in Nordfriesland geben. Ich wanderte und wanderte also, ließ irgendwann die Husumer Bucht hinter mir und mit ihr die Halbinsel Nordstrand. Kurze Strecken wanderte ich noch hinter dem Deich (also im „Landesinneren“), dabei sah ich ganz entzückende Häuser und lernte Uwe, das Lama kennen.

20170617_090312

20170617_104557

Vor dem Deich wandelte sich die Natur allählich zu dem, was ich mir in etwa ausgemalt hatte: endlos scheinendes plattes Watt mit Salzwiesen zu meiner linken, und einem mauergleichen Deich mit weidenden Schafen zu meiner rechten. An diesem Tag begegnete ich noch vielen anderen Wanderern und Fahrradfahrern, von denen ich auch mit einigen ins Gespräch kam. Auffällig dabei war, dass ich fast immer die einzige war, die über einen längeren Zeitraum mit ihrem gesamten Gepäck unterwegs war. Außerdem war ich ausnahmslos die Jüngste. Das finde ich ehrlich gesagt ein bisschen schade, denn gerade in meiner Generation gibt es viele, die sich für das Reisen mit Rucksack interessieren und dass ich keinem von denen begegnet bin zeigt mir, dass so schöne Reiseregionen in Deutschland bei vielen gar nicht präsent sind obwohl sie doch so viel leichter zu erreichen sind, als Ziele im fernen Ausland. Ich kann dazu nur sagen, dass ich Nordfriesland in allen Aspekten (Wetter, Wanderstrecke, „Land und Leute“, Natur) grandios und für eine Wanderung sehr geeignet fand. Außerdem wurde ich in jeder Unterhaltung gefragt, ob mir denn diese Wanderung alleine als Mädchen/Frau geheuer sei. Dazu kann ich nur sagen, dass ich persönlich mich in Deutschland sehr sicher fühle, ob in meinem Alltag oder im Urlaub. Meiner Meinung nach bringt es nicht viel, darüber zu diskutieren da letztendlich sowieso alleine ein Urteil fällt und es kein Totschlagargument gibt. Aber hallo, liebe illustrierte Zeitungen, wollt ihr nicht mal groß und breit über meine tolle Wanderung durch´s gefährliche Deutschland berichten, bei der es mir gelang, weder von Flüchtlingen vergewaltigt, noch von Verbrechern ausgeraubt zu werden?!

Am Samstag lief ich insgesamt 28,9km. Zugegebendermaßen war das aber auch das Maximum und als ich endlich in Schlüttsiel ankam, konnte ich nur noch zum nächsten Imbiss humpeln um mir eine Portion Pommes zu genehmigen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nämlich zugegebenermaßen meine Brot-Diät schon einigermaßen satt. Im Imbiss konnte ich zum Glück auch mein Handy aufladen, was ich während der Tour zum navigieren benutzte. Ich weltfremder Mensch hatte natürlich keine Powerbank dabei… Da ich physisch ziemlich am Ende war suchte ich mir bald nach dem Essen einen Platz zum zelten, den ich in der Nähe des Hafens direkt am Deich auch fand. Ich genoss noch die letzten Sonnenstrahlen und sah einer Hochzeitsgesellschaft auf einem Schiff beim Ablegen in Richtung der Halligen zu, um anschließend mein Zelt aufzubauen und mir eine wohlverdiente Nachtruhe zu gönnen…

 

…die leider nur von sehr kurzer Dauer war. Erwähnte Hochzeitsgesellschaft hatte nämlich anscheinend nicht geplant, den Abend auf einer Hallig ausklingen zu lassen, wie ich es mir gedacht hatte, sondern feierte nach der Rückkehr im Hafen bei lautester Musik. Nach nur einer Stunde Schlaf wachte ich also gezwungenermaßen wieder auf. Zuerst dachte ich, es wäre Morgen, da ich mich sehr ausgeruht fühlte und mit einer ruhigen Nacht gerechnet hatte. An Schlafen war aber nicht mehr zu denken. Nach ca. zwei Stunden des Wach-im-Zelt-liegens, einem Toilettengang und reichlich Abwägungen fasste ich dann schließlich den zunächst sehr komisch anmutenden Beschluss, mitten in der Nacht wieder meinen Rucksack zu packen und meine Wanderung im Dunklen fortzusetzen. Ich würde das allerdings jederzeit wiederholen denn bei der Lautstärke hätte ich höchstens noch meine geschundenen Beine und Füße schonen, mich aber nicht komplett erholen können. Wie gesagt fühlte ich mich außerdem bereits nach einer Stunde Schlaf sehr viel besser. Auch war diese Nachtwanderung zwischen Watt und Deich eine sehr besondere Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Zwar hatte ich immer das Gefühl, verfolgt zu werden, gleichzeitig war es aber auch, als hätte ich bisher nur jede zweite Seite eines Buches gelesen und auf einmal entdeckt, dass es noch so viel mehr gibt. In jener denkwürdigen Nacht legte ich noch einmal ca. 6,5km zurück und kam zur Dämmerung in Dagebüll an.

Dort legte ich eine kurze Pause am Hafen ein, ging daraufhin noch ein paar Kilometer in den Ort, füllte meine Flaschen in den offenen Sanitäranlagen des Campingplatzes auf (bis jetzt hatte ich immer an Häusern geklingelt aber das geht um halb fünf Uhr morgens schlecht) und wanderte dann weiter. Warum?

Ich war zwar über 35km in ungefähr 20 Stunden mit gerade einmal einer Stunde Schlaf gewandert, fühlte mich aber eigentlich noch in der Lage, weiter zu wandern. Ehrlicherweise zog ich es in Erwägung (und hatte es zuerst auch tatsächlich so geplant), mein Zelt auf dem Campingplatz in Dagebüll aufzubauen und mir dort noch eine Mütze Schlaf bis zum Vormittag zu gönnen. Allerdings wusste ich dann vor Ort nicht, wie ich das mit dem Buchen machen sollte und hatte auch ein bisschen Angst, zu viel Zeit zu vertrödeln, deshalb ließ ich es dann doch bleiben.

Nachdem ich mir noch ein paar unnütze Kilometer aufgehalst hatte (Taschenlampe beim Wasser auffüllen auf dem Campingplatz vergessen…) lief ich noch etwa zwei Stunden weiter. Das war wirklich der schönste Teil der Wanderung: ich war die einzige auf den Wegen, die Temperatur war super zum wandern und die aufgehende Sonne tauchte alles in ein orange-rosanes Licht, ohne zu heiß zu brennen. Um sieben Uhr genehmigte ich mir dann eine längere Frühstückspause mitten auf einer kleinen Deichstraße. Autos begegneten mir keine, weshalb ich dort sogar noch ein kurzes Nickerchen auf meiner Isomatte hielt. Nach etwa einer Stunde ging es dann aber weiter.

20170618_051203

Ab diesem Punkt gibt es für eine längere Zeit eigentlich nicht mehr viel spannendes zu erzählen. Ich wanderte wieder vor dem Deich direkt an den Salzwiesen auf einer Deichstraße. An diesem Tag begegneten mir allerdings kaum noch andere Menschen, die Straße war teilweise regelrecht zugeschissen worden von den Schafen und einige Gatter wurden augenscheinlich nicht häufig benutzt denn sie waren verzäunt. An solchen Stellen konnte ich dann meine Fähigkeiten im Gatterklettern mit zusätzlichen 18kg Gewicht (ja, so schwer war mein Rucksack!) beweisen… Natürlich gab es auf dieser Strecke auch keine Toiletten (und hinter dem Deich auch keine Ortschaften mit solchen) weshalb ich irgendwann ernsthaft mitten auf der platten Salzwiese mein Geschäft verrichtete. Beim zweiten und dritten Mal fiel es mir schon gleich viel leichter, da hatte ich mich schon an die Einsamkeit gewöhnt. Mit einer solchen Wildnis hatte ich wirklich nicht gerechnet, alles in allem war es aber wenig aufregend, sobald man sich daran gewöhnt hatte.

20170618_074812

Mit dem Verlassen des Deiches kehrte dann auch stückweise die Zivilisation in Form von geschlossenen Hotels und Seebadestegen zurück. Ich machte noch ein paar Pausen und wandte mich dann der Nordsee ab, denn Klanxbüll liegt ein Stückchen landeinwärts. Auf den letzten sechs Kilometern wurde es dann noch einmal richtig heiß. Die Sonne schien vom blauen Himmel und die asphaltierten Wege und Straßen heizten sich auf… Kurz vor Klanxbüll (es muss in etwa 12 Uhr Mittags gewesen sein) musste ich deshalb doch noch eine weitere Pause einlegen. Da ich mich auf einer kleinen Landstraße befand und keine schattige Bank weit und breit zu sehen war, bog ich kurzerhand auf einen Hof ab und setzte mich in den Schatten der großen Scheune. Dort wurde ich dann vom Bewohner des Hofes angesprochen, der entgegen meiner ersten Befürchtungen wirklich sehr nett und interessiert war und mir anbot, seine Toilette zu benutzen. Das war zwar nicht nötig, allerdings nahm ich gerne das Angebot an, meine Wasserflaschen ein weiteres Mal aufzufüllen. Trinken ist ja so wichtig! Auf jegliches anderes Gepäck hätte ich verzichtet aber nicht auf meine Trinkflaschen!!! Mit dem Auffüllen hatte ich übrigens keinerlei Probleme, mir wurde an jedem Haus gerne geholfen.

Schließlich erreichte ich dann mein Ziel: Klanxbüll! Bis auf die brütende Hitze gibt es von den letzten Kilometern nicht mehr viel zu erwähnen. Endlich konnte ich meinen Rucksack absetzen, beim Treppenlaufen zum Ticketautomaten kam ich mir trotz der vielen zurückgelegten Kilometer federleicht vor! Gegen ein Uhr mittags saß ich dann tatsächlich schon im Zug nach Sylt, wo am nächsten Tag mein Seminar stattfinden würde.

20170620_175114

Ich habe es also tatsächlich geschafft! Weil ich unmittelbar vor der Wanderung nicht gewandert war, konnte ich im Voraus tatsächlich gar nicht abschätzen, ob diese 60km für mich überhaupt in der Zeit schaffbar sein würden. Des weiteren konnte ich das Gewicht meines Rucksacks nur schätzen, da ich nicht mehr als eine (für diese Zwecke überhaupt nicht geeignete) Küchenwaage besitze. Dass ich dann noch vor Sonntag Abend mein Ziel erreichen würde erschien mir absolut utopisch, eher hätte ich damit gerechnet, den Rest der Strecke zu trampen oder mit dem Zug zu fahren (das wäre ab Dagebüll möglich gewesen).

Dafür war ich, einmal auf Sylt angekommen, auch platter als eine Flunder. Die letzten Kilometer bis zum Campingplatz wankte ich nur noch und sobald ich mich dort angemeldet und mein Zelt aufgebaut hatte, schlief ich auch schon. Gegen Abend gönnte ich mir dann noch die erste Dusche seit Tagen und fuhr mit dem Bus in die Innenstadt von Westerland um etwas zu essen und Verbandsmaterial für meine Füße zu kaufen (die Apothekerin empfahl mir doch ernsthaft in meiner Situation Globuli!). Die waren nämlich von Blasen übersät und gefühlt kaum noch zu gebrauchen. Was glaubt ihr, wie gut ich in der nächsten Nacht geschlafen habe? Herrlich! Leider wurde es schon gegen acht zu warm im Zelt aber da ich um zehn schon beim Seminar sein musste, hätte ich sowieso nicht viel länger schlafen können. Ich frühstückte also die Reste meines brotlastigen Proviantes, packte meine Sachen ein letzes Mal und machte mich auf den Weg in den Süden Sylts, wo ich in der folgenden Woche mein Seminar hatte.

So meine lieben, ich hoffe, ich konnte den einen oder anderen mit dieser Dokumentation meines Kurzurlaubes unterhalten und vielleicht sogar anregen, selber mal etwas in die Richtung zu machen. Ich bereue es kein bisschen, diese Wanderung gemacht zu haben und war anschließend noch wochenlang ganz hin und weg von Nordfriesland. Auch wenn nicht alles wie in dem idealen Plan verlaufen ist, war es doch ideal. Deshalb kann ich nur alle von euch aufrufen, hin und wieder mal über Mauern im Kopf hinwegzusehen. Auch ich zweifelte vor der Tour an der Machbarkeit meines Planes und bin letztendlich noch weit über diese Grenzen hinaus gegangen! Und erforscht vielleicht auch erstmal euer Heimatland. Denn dann ist es nicht schlimm, wenn ihr eure Grenzen erreicht, bevor ihr damit gerechnet hättet und eine vorzeitige Rückfahrt ist meistens problemlos möglich. Mir hat das sehr viel Sicherheit und Kraft gegeben.

Ich versuche, demnächst ein bisschen mehr hier zu veröffentlichen. An Ideen mangelt es nicht. Allein die Zeit fehlt…

Bis dann!

Umzuch!

Wie bereits ein wenig angekündigt, bin ich gerade in einer sehr veränderungsstarken Phase. Mein FÖJ ist ab morgen offiziell beendet, weshalb ich auch gleich morgen umziehen werde. Kurzfristig erst mal zu meinen Eltern, langfristig dann nach Hannover.

Ein wenig bedauere ich schon, Schleswig-Holstein zu verlassen. Das Land finde ich nämlich traumhaft schön. Aber was soll irgendwo muss man eine Grenze ziehen und ich werde die nächsten Jahre nicht einfach irgendwas machen um in Schleswig-Holstein zu bleiben. Da verbringe ich lieber die nächsten Jahre ein Stück weiter weg und studiere mein Wunschfach. Zurückkommen kann ich ja immer. Und es ist ja auch nicht so, dass Hannover eine Höllenstadt wäre, diese Stadt und die Gegend drum herum haben ganz sicher auch ihren Reiz.

Abgesehen von den Zukunftsgedanken hält mich der Stress gerade ziemlich stark im hier und jetzt. Zusätzlich zum psychischen Stress kommt jetzt auch noch der körperliche durch ewiges packen, suchen, herumrennen und natürlich Schlafmangel. Was freue ich mich darauf, ein paar Tage „frei“ zu haben bevor es dann weiter nach Spanien für eine vierwöchige Sprachreise geht.

Ihr merkt, es passiert viel! Deshalb wird es hoffentlich in nächster Zeit etwas mehr Posts geben denn auch wenn ich eher weniger freie Zeit haben werde so glaube ich doch, dass ich hin und wieder eine halbe Stunde zum schreiben aufbringen kann. Und wenn viel passiert, kann auch viel berichtet werden.

Krawumms

Ich befinde mich gerade noch im Urlaub, komme allerdings nicht umhin, einmal meine Gedanken aufzuschreiben.

Die Wanderung, von der ich berichtete verlief etwas abenteuerlich war aber ansonsten wirklich ein tolles Erlebnis. Davon werde ich auch noch detaillierter berichten.

Das Seminar war auch wunderbar, wie so häufig, wenn man umgeben ist von über hundert netten Menschen. Ab einem Punkt war das Seminar allerdings nicht mehr wunderbar: durch einen schweren Unfall schwebte einer von den netten Menschen in Lebensgefahr und vor ungefähr einer Stunde erfuhr ich, dass er gestorben ist.

Ich weine nicht aber ich fühle mich, als würde ich aus dem Bauch heraus zerfallen. Ich mache mir Gedanken darüber, wie es passiert ist, frage mich, bis wann er etwas gespürt hat. Wo er ist, das beschäftigt mich eigentlich gar nicht. Nur, dass er nicht mehr hier ist, das schockiert mich. Und, dass ich nie wieder mit ihm werde sprechen können, ihn nie werde besuchen können, wie ich es vermutlich mit vielen anderen aus der Gruppe machen werde. In einer Gruppe von Leuten um die zwanzig beginnt man gerade, das zukünftige Leben zu planen und geht nicht auf Beerdigungen von einander.

Im Moment habe ich das Gefühl, in einem Gedankenkreisel zu stecken. Ich bin nicht immer drin aber komme immer wieder darauf zurück und versuche irgendwie, ein Ergebnis zu finden. Kann man das?

Spontane No-Budget-Tour von Husum nach Klanxbüll/Sylt

Eigentlich ist es nicht besonders wichtig aber ich wollte trotzdem davon berichten, was ich in den nächsten Tagen so vorhabe.

Da ich am Montag sowieso auf Sylt sein muss (dort findet ein Seminar statt, an dem ich teilnehme) habe ich mir überlegt, dass es doch noch schöner wäre, einen Teil des Weges aus eigener Kraft zurückzulegen. Der ganze Weg wäre natürlich das Optimum aber da das Fahrrad aufgrund logistischer Grenzen für mich weg fällt werde ich wandern, was wiederum die gesamte Strecke (von Kiel nach Klanxbüll) ausschließt.

Ich habe mich ziemlich spontan (genau gesagt: heute morgen) für diese kleine Wanderung entschieden und werde diese alleine machen. Mitnehmen werde ich Kleidung, Zelt, Isomatte, Schlafsack und alle anderen Notwendigkeiten in meinem großen Wanderrucksack. Auf einen Kocher werde ich verzichten, da ich erstens keinen eigenen habe und so schnell keinen leihen könnte, zweitens gerne etwas Gewicht sparen möchte, drittens glaube, dass ich auch mal ein paar Tage ohne warmes Essen auskomme und viertens keinen Kocher im Gepäck haben möchte, den ich nur an drei von 25 Tagen brauche.

Zelten werde ich vermutlich „wild“ also außerhalb von Campingplätzen (es sei denn, einer liegt genau dort, wo ich halt machen will). Wie ich damit zurecht komme, darauf bin ich schon sehr gespannt weil ich einerseits ein sehr ängstlicher Mensch bin, andererseits nicht wirklich glaube, dass etwas passieren kann.

Insgesamt wird das also eine No-Budget-Tour oder immerhin eine Low-Budget-Tour. Vor allem natürlich, weil ich das alles sehr kurzfristig geplant habe und gar nicht erst viel Geld für Dinge ausgeben konnte. Allerdings finde ich den Gedanken, Urlaub zu machen und nicht mehr Geld, als im Alltag auszugeben sehr interessant. Ich habe nicht besonders viel Geld zur Verfügung und werde es auch die nächsten Jahre nicht haben also ist es für mich die einfachste Möglichkeit, Urlaub zu machen.

Das war’s erst einmal, ich muss noch einige Vorbereitungen treffen (ein paar Sachen und Essen einkaufen, Telefonate führen) und dann geht es auch schon los!

Ich habe übrigens vor mit komoot zu wandern. Das ist eine App bzw. eine Internetseite, auf der man Fahrrad- Wanderrouten ausarbeiten und speichern kann. Kauft man sich das Komplett-Paket für (momentan) 20€, kann man ganz bequem zu Hause die Karten herunterladen und hat dann unterwegs auch ohne Internetempfang eine perfekte Navigationsgrundlage zur Verfügung. So klein, wie dieser Blog ist, dürfte eigentlich klar sein, dass ich nicht gesponsert werde oder ähnliches aber ich betone einfach mal, dass ich selber auf die App gekommen bin und mir das Komplett-Paket auch selber gekauft habe. Ich erwähne komoot hier einfach, weil die Navigation nunmal ein sehr wichtiger Bestandteil einer Wanderung ist und auch einige interessieren dürfte. Wenn ich wieder Zuhause bin habe ich übrigens vor, die Wanderung auf komoot zu veröffentlichen, das lässt sich dann sicherlich auch hier verlinken.

Die Straße gleitet fort und fort

Ich sitze momentan noch die letzten beiden Monate meines freiwilligen ökologischen Jahres aus (versteht das bitte nicht zu negativ, es ist absolut nichts gegen das FÖJ an sich, die Beschäftigungen sind bloß nichts für nicht) und habe danach zwei komplette Monate bis zum Wintersemester frei.

Besonders, da während des letzten Jahres einen Vorgeschmack bekommen habe, wie es ist, mit unter 30 Tagen Urlaub im Jahr zurechtzukommen, habe ich mir schon länger vorgenommen, diese zwei Monate am Stück ausgiebig zu nutzen.

Und es wechselte immer wieder…

Mittlerweile habe ich allerdings eine recht genaue Vorstellung, wie ich diese Zeit nutzen will und dachte mir, dass ich das mal veröffentliche. Erstens seid ihr dann ungefähr im Bilde, was ich wann mache (und warum ich vielleicht gerade noch weniger schreibe also sonst schon) und zweitens interessiert es evtl. jemanden in einer ähnlichen Situation und zeigt ihm oder ihr eine vorher noch gar nicht bekannte Möglichkeit.

Fangen wir also an mit dem August:

Ich weiß noch nicht, ob ich wirklich punktgenau am 31. Juli aufhören werde (das ist beim FÖJ relativ locker) und auch noch nicht, wann mein ganzer Kram und ich in Kiel vom Transporter aufgegabelt und nach Hause gebracht werden. Allerdings wird das ziemlich sicher irgendwann in der ersten Augustwoche passieren, deshalb plane ich für die gesamte Woche nichts anderes ein. So ein Umzug ist ja auch nicht komplett an einem Tag gemacht, auch das einpacken und Zuhause wieder auspacken gehört ja dazu und nimmt einiges an Zeit in Anspruch.

Die zweite Augustwoche habe ich dafür umso intensiver verplant. Dann werde ich mir einen Traum erfüllen und eine Sprachreise nach Spanien machen. Um es genauer einzugrenzen: ich werde bis zur fünften Augustwoche bzw. bis zur ersten Septemberwoche in Salamanca sein, in einer spanischen Gastfamilie leben und einen Sprachkurs besuchen. Mein Großvater liegt mir schon länger mit dem Vorschlag in den Ohren und da ich jetzt endlich mal genügend Zeit am Stück habe kann ich sie auch nutzen. Ich habe in der Oberstufe zwei Jahre lang Spanisch gelernt und besuche hier einen Spanischkurs der VHS aber so richtig flüssig will mir diese Sprache doch noch nicht von den Lippen kommen. Das und mein Wissen über Spanien an sich werden durch diese vier Wochen hoffentlich positiv beeinflusst.

Eigentlich wollte ich ja auch noch für drei bis vier Wochen nach Dänemark und dort wwoofen (wer nicht weiß, was das ist guckt am besten hier nach: http://www.wwoof.dk/) weil ich in letzter Zeit so eine unglaubliche Liebe zu der Sprache, dem Land und den Leuten entwickelt habe. Allerdings ist mir dann in der detaillierteren Planung aufgefallen, dass ich einen so langen Zeitraum gar nicht mehr einbauen kann und weniger lohnt sich in meinen Augen nicht. Gegen den Spanienaufenthalt wollte die Dänemarkreise aber auch nicht tauschen da mein Interesse an Dänemark glaube ich nicht wesentlich geringer sein wird in einem Jahr und ich jetzt noch verhältnismäßig viel Spanisch im Kopf habe. Außerdem will ich lieber erstmal ein mir bisher unbekanntes Land (ich war noch niemals auf dem spanischen Festland und habe deshalb gar keine Vorstellungen vom Leben dort) grundlegend kennen lernen als ein Land, was ich kenne (in Dänemark war ich schon mehrmals und auch über mehrere Wochen) im Detail zu erforschen. Und wwoofen kann man auch relativ spontan in den Semesterferien mal.

Aber weiter in der Planung: in der ersten Septemberwoche werde ich wieder in Deutschland ankommen und gleich weiter machen im intereuropäischen Potpourri, indem ich bis zur zweiten Septemberwoche an einem europaweiten Chorfestival in Wolfenbüttel teilnehmen werde. Vielleicht lässt sich dabei auch mein frisch gelerntes Spanisch noch etwas festigen… ;D

Den Rest des Septembers habe ich tatsächlich noch nicht nahtlos mit Terminen gepflastert, allerdings steht evtl. noch eine Fahrradtour bzw. ein Urlaub mit einer sehr guten Freundin an, dafür halte ich mir diesen Zeitraum vorerst frei. Falls sie da keine Zeit haben sollte habe ich eben mal zwei Wochen wirklich frei, was ja nach dem ganzen Programm sicherlich nicht verkehrt ist. Und Anfang Oktober werde ich dann ja auch schon wieder weiterziehen, nämlich nach Hannover.

Die Straße gleitet fort und fort,
weg von der Tür, wo sie begann,
weit über Land, von Ort zu Ort,
ich folge ihr, so gut ich kann,
ihr lauf’ ich raschen Fußes nach,
bis sie sich groß und breit verflicht’
mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht.

J.R.R. Tolkien